Zündfunke Teamgeist

Foto: Thomas Raddatz

Overall statt Anzug, Boxengasse statt Konferenzraum, Vollgas statt Verhandlungstaktik, Ideallinie statt Kreditkonditionen – am 9. Mai erlebte die durchaus nicht immer einfache Beziehung zwischen Bankern und Unternehmern zum nunmehr neunten Mal das antreibende Gemisch aus Adrenalin, Geschwindigkeit und Begeisterung. 36 Mannschaften – 18 regionale Wirtschaftsunternehmen und 18 Teams von Kreditinstituten – gaben beim Brandenburg-Cup auf dem Spreewaldring Kart-Center Waldow im puristischen Rennkart Gas und entdeckten mehr als sportliche Fähigkeiten und kämpferischen Ehrgeiz.

800 Meter lang ist die Herausforderung, die die 180 Teilnehmer im Rennkart meistern mussten. Das besitzt keine Stoßdämpfer, jede Unebenheit der kurvenreichen Strecke ist in den harten Schalensitzen unmittelbar zu spüren. Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h erreichen geübte Fahrer. „Nein, trainiert haben wir nicht“, bekennt Theo Roelofs, Inhaber und Geschäftsführer des Gartencenters Holland, das in der Region drei Filialen unterhält. Mit seinem Team nahm er erstmals am Brandenburg-Cup teil. „Wir haben sieben neue Teams, die erstmals starten“, so Dr. Miloš Stefanović, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Brandenburg und „Erfinder“ dieses Events, das im nächsten Jahr runden Geburtstag feiert. „Bei den Gründertagen im Jahr 2007 ehrten wir erfolgreiche Teilnehmer mit einem Rennen auf der Kartbahn in Waldow und schon bei der Premiere – natürlich schon in Rennoveralls und mit einem durchdachten Reglement – zeigte sich das Potenzial, das in diesem außergewöhnlichen Wettstreit steckt.“ Seit vier Jahren schreibt das Reglement fest, dass eine Frau in jedem Team mitfährt.

Als beim Team von Kurt Eulzer Druck Diana Richter – „unsere Top-Designerin“, so der Firmenchef – ausfällt, entscheidet sich Goedele Matthyssen, Geschäftsführerin der Confiserie Felicitas und „Ersatzfrau“ ihres Teams, spontan, dem Glückwunschkarten-Spezialisten aus Hennigsdorf zu helfen. Auch das ist der Brandenburg-Cup.

Zwei Vorläufe entscheiden die Mannschaften über die Finalplatzierungen. Die jeweils acht Besten jedes Vorlaufs bilden das Starterfeld für das A-Finale. In den 100 Minuten Rennzeit wechseln alle zehn Minuten die Fahrer. „50 Prozent ist Können, 50 Prozent Taktik“, erklärt Gerald Rynkowski, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Veinland, die sich in Neu-Seddin Schiffselektronik für Ozeanriesen ausdenkt und herstellt. „Die ganze Firma war zum Qualifying auf der Kartbahn, so haben wir die Besten ermittelt und dabei auch erlebt, was in manchem Kollegen so steckt, das nenne ich: sportliche Teambildung.“ Während des Rennens notiert der Ingenieur exakt jede Rundenzeit: „Das erleichtert die Auswertung am Montag“, meint er verschmitzt.

20 Jahre Event-Kartbahn

Exakte Informationen lieferte die nagelneue LED-Anzeige. „Das ist ein nützlicher Service für die Zuschauer und natürlich auch für die Fahrer, die die Platzierungen blitzschnell erfassen können“, erklärt Reinhard Budde, der gemeinsam mit Heiko Brademann vor ziemlich genau 20 Jahren die Kartbahn in den märkischen Sand setzte. Ein Erfolgsmodell. „Eigentlich wollten wir näher an die Stadtgrenze, aber schnell zeigte sich, dass wir in im Spreewald gut aufgestellt sind.“ In kleinen gesunden Schritten entstand eine moderne Rennstrecke, die mit Fahrerlager, Boxengasse, Catering, 20.000 Watt Flutlichtanlage, vollautomatischer Zeitmessung, Kiesbett und professionellen Streckenposten maximalen Fahrspaß bietet. Dazu Freizeitangebote wie Bogenschießen und Kinderspielplätze. „Wir sind Deutschlands einzigartige Outdoor-Bahn“, so Reinhard Budde. Attraktiv besonders für Unternehmen, die Teambildung und Spaß verbinden wollen. „80 Prozent unserer Veranstaltungen sind Eventbuchungen.“ Beinahe überall gleichzeitig war an diesem Tag Rennleiter Mario Schulz. „Alle Teams sind komplett angetreten, wir hatten keine kurzfristige Absage.“ Sein Favoritentipp? „Die ‚Asphalthobel‘ vom Fräsdienst Enrico Feind.“ Perfekt, denn nach 125 gefahrenen Runden – die letzten Minuten bei strömendem Regen – holten sich die „Asphalthobel“ souverän den begehrten Wanderpokal. Den spannenden Zweikampf um Platz 2 konnte am Ende trotz finaler Regen-Pirouette das Team von der VR-Bank Fläming für sich entscheiden und verwies die Sparkasse Spree-Neiße auf den dritten Rang. Nur ein hauchdünner Ein-Sekunden-Klick trennte beide voneinander. Das B-Finale – bei durchgehend trockener Piste – entschieden nach 132 gefahrenen Runden die Piloten von der RHL Unternehmensberatung. Auf den 2. Platz fuhr mit nur 8,26 Sekunden Rückstand das Team der Brandenburger Bank, gefolgt von den „HypoHelden“ der HypoVereinsbank, die in diesem Jahr leider ohne ihren Teamchef den Renntag meistern mussten. Mit Bravour.

6.000 EURO für einen guten Zweck

Vom ersten Rennen an spendeten die Bürgschaftsbank und das Spreewaldring-Kartcenter die Startgelder der Mannschaften des Brandenburg-Cups einer karitativen Einrichtung der Region. In den vergangenen Jahren haben Spenden die Computerausstattungen in Schulen ermöglicht, ein grünes Klassenzimmer geschaffen, psychisch labilen Eltern bei der Bewältigung des Alltags geholfen oder Kinder aus Tschernobyl zu Ferien nach Deutschland eingeladen. In diesem Jahr unterstützten die Teilnehmer des 9. Brandenburg-Cups den ambulanten Kinderhospizdienst „Pusteblume“ der Johanniter Südbrandenburg. Der betreut Familien mit schwerstkranken Kindern in ganz Südbrandenburg. Finanziert wird die Arbeit zu einem überwiegenden Teil aus Spendengeldern. Mit 35 ehrenamtlichen Helfern schafft „Pusteblume“ Freiräume für Eltern und Geschwisterkinder, die nicht selten an ihrer Belastungsgrenze stehen. Die ehrenamtlichen „Pusteblume“-Mitarbeiter erleichtern den schweren Alltag der Familien, helfen bei Behördengängen, beim Stellen von Anträgen und bei der Freizeitgestaltung oder organisieren den Austausch zwischen den Betroffenen. „Ohne die großzügigen Spenden wie die der Teilnehmer des Brandenburg-Cups könnten wir nicht bestehen“, sagt Babett Brendel, die Koordinatorin des ambulanten Kinderhospizdienstes, bei ihrem Dank für die Spende in Höhe von 5.750 Euro, die Reinhard Nowozin, Firmenchef von Euler Druck, kurz entschlossen auf 6.000 Euro aufrundete.

Stand up for the Champions

Bei der Siegerehrung im Race-Zelt gab es dann die Pokale und strahlende Gewinner, die ganz professionell die obligatorische Sektdusche genossen. Die Letztplatzierten im B-Finale erhielten die „Rennschnecke“ in Bronze und in Schokolade, denn die Ladys von der Confiserie Felicitas hatten das symbolträchtige Exemplar in ihrem „Lieblingsmaterial“ mitgebracht. Schließlich tröstet Süßes.

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen:

Der 10. Brandenburg-Cup findet am 21. Mai 2016 statt.

von Brigitte Menge

www.brb-cup.de | www.kart-center.de | www.bbimweb.de

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