Vier Saxophone und viel Spiellust

Foto: Kerstin Weinert
Foto: Kerstin Weinert

Bach, Vivaldi, Mussorgski, Weill, Bernstein – mit ihrem Repertoire spazieren sie munter durch die Musikgeschichte. Dazu kommen eigene Titel. Ralf Benschu (Sopran- und Altsaxophon), Matthias Wacker (Altsaxophon), Mark Wallbrecht (Tenorsaxophon) und Sebastian Hillmann (Baritonsaxophon) sind zusammen Meier‘s Clan. Wie es zu dem ungewöhnlichen Namen des Saxophonquartetts kam, fragten wir zuerst.

Dieser Meier kommt von Werner Meier, lange Zeit Musiklehrer an der städtischen Musikschule in Potsdam und 35 Jahre lang Klarinettist am Hans Otto Theater. Dort war es eine klingende Tradition, dass sich die Klarinetten-Kollegen zum Geburtstag gegenseitig ein Ständchen spielten. „Als Werner 70 wurde, kam mir die Idee, ein paar seiner ehemaligen Schüler anzurufen, damit wir zusammen für ihn spielen. Matthias Wacker, Mark Wallbrecht und Sebastian Hillmann brauchte ich nicht zu überreden. Jeder brachte ein paar Noten mit“, erinnert sich Ralf Benschu. Das war die Geburtsstunde von Meier‘s Clan, denn die vier merkten nicht nur, dass ihre Musik gut klang – Saxophonisten gelten unter Musikern als ganz besonders klangverliebt –, sondern auch, dass es ihnen eine gehörige Portion Spaß macht, gemeinsam zu spielen. Diese Begeisterung hält mittlerweile 15 Jahre. Mitte Juni erschien die fünfte CD des Quartetts. Nachdem Meier‘s Clan die barocken Sinfonien von Friedrich dem Großen auf ihrer dritten Platte eingespielt hat, die vierte sich Klassikern aus Jazz und Pop widmete, unternehmen die Saxophonisten auf ihrer fünften Produktion eine Wanderung durch die Filmmusik. Die Stücke spannen den Bogen von Ufa und DEFA über europäische Produktionen bis hin zu Hollywood-Highlights. Die Release-Party des neuen Albums, das „Klappe 5“ heißt, feierten die Musiker mit ihren Fans, Freunden und den Familien im Potsdamer Filmmuseum. „Das war eine schöne Zusammenarbeit“, lobt Ralf Benschu. Gern verlassen die vier Musiker bei einzelnen Titeln die gewöhnliche Saxophonfamilie, bestehend aus Sopran-, Alt-, Tenor- und Baritonsaxophon, und greifen zu seltener gespielten Exemplaren. Sebastian Hillmann steigt mit dem Basssaxophon noch ein paar Stufen tiefer in den Keller. Ralf Benschu hat keine Angst vor schwindelerregenden Höhen und schwingt sich mit dem Sopraninosaxophon in schrille Lagen hinauf. Noch spannender wird’s, wenn diese Extreme aufeinandertreffen. „Unsere Arrangements kommen überwiegend von Mark Wallbrecht, der damit unseren ganz eigenen, eigenwilligen Klangcharakter prägt, sodass die Konzertbesucher nicht selten staunen, dass da wirklich nur vier Saxophone zu hören sind“, berichtet Ralf Benschu. Er ist das wohl bekannteste Mitglied des Quartetts, denn bis zum Jahr 2008 spielte er bei Keimzeit und prägte in dieser Zeit die Klangfarben dieser Band mit. Warum er ausstieg? „Das war wie in einer Ehe, wir hatten uns auseinandergelebt, musikalisch jedenfalls. Und so nutzte ich das Pausenjahr 2008 zur Trennung.“

Zwischen Ostsee und Nikolaikirche 

„50 Saxophone für die Hospizarbeit in Potsdam“ ist ein Projekt, das den vier Herren von Meier‘s Clan besonders am Herzen liegt. Gemeinsam mit Schülern, Freunden und Musikerkollegen spielten sie Ende Juni in Zusammenarbeit mit der Hoffbauer-Stiftung zum wiederholten Male in der Inselkirche Hermannswerder für einen guten Zweck. Mit „Klappe 5“ waren die vier Saxophonisten im Juli an der Ostsee unterwegs und spielten für die Liebhaber der filmischen Saxophonklänge jeden Abend in einer anderen Kirche. Die Musiker, die alle ihre ersten Tonleitern in der Städtischen Musikschule Potsdams übten, sind vielseitig. Matthias Wacker ist solistisch unterwegs, Mark Wallbrecht spielt gemeinsam mit seiner Frau, einer Pianistin, Konzerte. Sebastian Hillmann ist Mitglied einer Ska-Band. Ralf Benschu tritt mit einem Orgelspieler und dem Liedermacher Gerhard Schöne auf, spielt seit zehn Jahren gelegentlich im Orchester des Friedrichstadtpalastes und freut sich auf Konzerte mit der Thüringen Philharmonie Gotha und dem Potsdamer Collegium musicum noch in diesem Jahr. Alle vier Holzbläser unterrichten an Musikschulen in Berlin und Brandenburg. Und viel üben müssen auch die Profis. Geprobt wird bei Meier‘s Clan meist einmal wöchentlich, zweieinhalb Stunden. Gleich nach dem Sommerurlaub liegen Weihnachtslieder auf den Notenpulten. „Unser Adventskonzert am 19. Dezember in der Nikolaikirche ist der Höhepunkt des Jahres für uns“, bekennt Ralf Benschu, der in Potsdam geboren ist. „Ich habe zehn Jahre in Berlin gelebt und bin dann nach Potsdam zurückgekehrt. Ehrlich: Ich vermisse Berlin überhaupt nicht. Potsdam ist so schön geworden. Innerhalb von zehn Minuten kann ich in vier verschiedenen Parks sein.“ Schon wieder eine Vier.

von Johanna Vogtländer

www.meiersclan.de

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