Die Witze, das Leben und die Musik

Das Gespräch führten der Herausgeber Jürgen H. Blunck und die Journalistin Brigitte Menge

Foto: AntheZ Fotografie
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Peter Sattmann und Reiner Schöne kennen sich seit über 20 Jahren, aber eigentlich viel länger … Und schon sind wir mitten in den Geschichten von zwei Künstlern, die so vielseitig wie bekannt sind. Nun stehen die beiden – pardon – alten Haudegen mit ihrem Programm „… kennen Sie den?“ gemeinsam auf der Bühne.

Peter Sattmann ist Regisseur, Drehbuchautor, Filmkomponist, Musiker, Bühnen- und Filmschauspieler – ein Multidilettant eben, wie er selbst sagt. Zweimal Schauspieler des Jahres, an die zweihundert TV Rollen. Reiner Schöne ist ein Weltenbummler: Von der DDR über die Bundesrepublik und 20 Jahre Hollywood zurück nach Berlin, durch die Welt der Kunst vom Rock über „Jesus Christ Superstar“ bis zu „Hamlet“. Gerade gab er Darth Vader in „Star Wars“ seine markante Stimme.

Bringen wir doch zu Beginn ein bisschen Konkurrenz in die Runde: Wer von Ihnen beiden ist denn der Berühmtere? Reiner Schöne: (lacht herzhaft) Gemeine Frage! Peter Sattmann: (verschmitzt) Ich weiß, dass der Reiner erstaunt war, wie bekannt ich bin. Während er 20 Jahre in Amerika war, habe ich fast 200 Fernsehrollen und viel Theater gespielt. (Schöne widerspricht.) Na gut, aber einen kleinen Vorsprung habe ich – vielleicht. Aber darüber nachgedacht haben wir noch nie. Müssen wir auch nicht. Reiner Schöne: Außerdem ist es den Frauen, die uns lieben, egal.

Das scheint ja heiter zu werden.Wie Ihr Programm „… kennen Sie den?“ Wer kam denn auf die Idee, einen Abend lang Witze zu erzählen? Reiner Schöne: Fast alle Schauspieler können gut Witze erzählen. Wenn da einer bei Drehpausen oder im Theater erst mal anfängt, ist er der Stichwortgeber und schon geht die Runde rum. Peter Sattmann: Die Idee für diesen Abend kam uns in den Kellergewölben des Berliner Doms. Zwei Wochen lang saßen wir uns bei den Proben zum „Jedermann“ als Tod – das war der Reiner – und Teufel gegenüber und warteten auf unsere Auftritte. An Tagen mit Doppelvorstellung gingen wir schon um 13 Uhr in den Keller und kamen um 23 Uhr wieder raus, denn so tödlich und teuflisch wie wir aussahen, konnten wir es nicht wagen, uns zwischendurch am Lustgarten mal unter die Leute zu mischen. Die Alternative zum langweiligen Warten war das kurzweilige Erzählen von Witzen. Am Ende der Untertagearbeit war klar, jeder hatte einen komplett anderen Fundus an Witzen als der andere. Warum sie also nicht zusammenlegen? Warum nicht einen Abend daraus machen?

Sie erzählen aber nicht nur Witze. Peter Sattmann: Das würde das stärkste Zwerchfell nicht aushalten. Ich lese an diesem Abend aus meiner Komödie „Der Erzbischof ist da“ und Reiner aus seinem Buch „Werd ich noch jung sein, wenn ich älter bin?“ Er greift zur Gitarre, schon allein, damit die Zuschauer wieder zu Atem kommen. Reiner Schöne: Von der ersten Vorstellung an waren die Leute hingerissen. Das ist wie eine Lachtherapie. Und glauben Sie uns: Lachen ist wirklich ansteckend. Wir müssen übrigens jedes Mal wieder über unsere eigenen Witze lachen.

Wem fällt jetzt spontan ein Witz ein? Reiner Schöne: Spontan fallen mir die schmutzigen ein, die die Gürtellinie verrücken. Aber die behalte ich jetzt für mich. Bei „… kennen Sie den?“ erzählen wir politische und jiddische Witze, und Peters Ausflüge ins Sächsische – er ist ja in Zwickau geboren – sind schon allein eine Lachnummer. Natürlich auch die aus der Kiste „Kommt ein Mann zum Arzt …“ Insgesamt kommen an diesem Abend sicherlich 70 bis 80 Witze zusammen.

Wie kann man sich das eigentlich merken? Reiner Schöne: Gar nicht, wenn mir jemand einen Witz erzählt, muss ich mir sofort Stichpunkte notieren. Peter Sattmann: Ich muss einen Witz, den ich höre, sofort weitererzählen. Untersuchungen belegen, dass sich der Mensch am besten etwas einprägt, wenn er es spricht. Aber man muss ihn sich natürlich so lange merken, bis man jemanden trifft, der gerade einen Witz hören will. Am Abend haben wir ein Programm und natürlich Stichworte. Und wenn erst mal ein Stichwort gefallen ist …

Gibt es Witze, die jeden Abend erneut der Knaller sind? Peter Sattmann: Ein klares Ja, ein paar sind 90-prozentige Kracher. Interessanterweise gibt es Reaktionsunterschiede des Publikums zwischen großen und kleinen Städten und das Alter ist  auch entscheidend. Reiner Schöne: Wir erzählen uns jetzt jedes Mal auf der Bühne gegenseitig einen neuen Witz, den der andere noch nicht kennt.

Herr Schöne, das Programm endet mit dem wunderbaren Lied „Werd ich noch jung sein, wenn ich älter bin?“ Es ist einer Ihrer bekanntesten Songs und der Titel Ihres Buches mit den autobiografischen Geschichten. Wie lautet Ihre Antwort – jetzt, da Sie nicht mehr jung sind? Reiner Schöne: Peter singt im Programm ein a-capella-Gstanzl, das saukomisch ist. Mit dem Lied hören wir auf, wir entlassen das Publikum also besinnlich in die Nacht. „Werd ich noch jung sein, wenn ich älter bin?“ habe ich 1977 gemeinsam mit Konstantin Wecker produziert, da war ich ein paar und dreißig. Inzwischen gibt es auch ein Remake.

Jetzt haben Sie sich aber ganz charmant um die Antwort auf diese programmatische Frage gedrückt. Reiner Schöne: Na gut, dann ein Ja.

Seit wann genau kennen Sie sich? Reiner Schöne: Seit 1999. Peter Sattmann: Eigentlich hätten wir uns schon 1968 kennenlernen können, weil wir zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren: dem „Blowup“ in München, der damals größten Diskothek der Welt, in der ich – damals Student auf der Schauspielschule – als DJ jobbte. Reiner war da schon ein Star in „Hair“ und zum Live-Auftritt von als Sammy Davis Jr. gekommen, den ich ansagte.

Herr Schöne, erkennen Leute Ihre Darth-Vader-Stimme oder den Optimus Prime aus den vier „Transformers“-Filmen, wenn Sie beispielsweise Brötchen holen gehen? Reiner Schöne: Ich habe durch beide Synchronarbeiten ein völlig neues, junges Publikum bekommen. Ich weiß nicht, wie viele Handys ich mit dem Satz „Ich bin dein Vater…“ besprochen habe. Da spielt man hundertmal den Hamlet, steigt ins Taxi und der Fahrer dreht sich um und sagt: Sie sind doch der Optimus Prime!

Sie beide sind viel gefragt und viel beschäftigt. Nach welchen Kriterien wählen Sie Rollen aus? Was ist Ihnen wichtig? Peter Sattmann: Je älter man wird, desto weniger Rollenangebote kommen. Das ist aber völlig normal, denn in den meisten Filmen gibt es zehn junge Kerle und nur einen älteren Herrn. Wobei für mich nach wie vor Theaterspielen die größeren Erfolgserlebnisse bringt. Reiner Schöne: Natürlich wählt man kritisch aus und lehnt Dinge ab, die einem gegen den Strich gehen.

Herr Schöne, Sie haben mal bekannt, dass Sie unter chronischem Fernweh leiden. Haben Sie das noch immer? Auch jetzt, wo die Familie komplett ist? Reiner Schöne: Das geht nicht weg. Aber schnell mal abzuhauen, ist mit zwei kleinen Kindern nicht drin und die Welt ist leider kleiner geworden.

Herr Sattmann, Ihr offenherziges Bekenntnis, die Freundschaft gegenüberder Liebe zu präferieren, hat hohe Medienwellen geschlagen. Nervt es Sie, dass so private Dinge viel mehr diskutiert und kommentiert werden als die eigentliche Arbeit? Peter Sattmann: Es nervt mich total, denn das habe ich in einem Gespräch mal gesagt, da war das eben gerade ein Thema für mich. Um es klar zu sagen: Ich finde, die Liebe ist das Tollste, was es auf der Welt gibt. Reiner Schöne: (lacht) Peter, schau, bei uns verbindet sich doch beides: Liebe und Freundschaft.

Und die klassische Abschlussfrage: Welche Pläne stehen auf Ihrer Agenda? Peter Sattmann: Das Jahr hat ja gerade erst angefangen. Mit dem schönen Wetter im April/Mai kommen dann die Drehtage. Wir sind Saisonarbeiter, im Winter sitzt man als Schauspieler  ziemlich viel rum. Das Degeto(Film)-Wetter fängt im Mai an. Reiner Schöne: Ich habe im vergangenen Jahr sehr viel gedreht und ernte jetzt mit zwei Fortsetzungen die Früchte meiner Arbeit. Dazu kommen Funk- und Synchronarbeiten und unser  gemeinsames Programm.

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