Fahrbare Sehnsucht

Fotos: Annett Ullrich

Es scheint die Sehnsucht nach der guten alten Zeit zu sein, die dazu führt, dass Menschen sich von Oldtimern nahezu magisch angezogen fühlen. Bei der Werder Classic im Mai konnten mehr als 200 Oldtimer bestaunt werden, und auch in Potsdam zeigten sich die Besucher der „Flower meets Power“-Veranstaltung von der Vielfalt der historischen Fahrzeuge beeindruckt.

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Benzingeruch liegt in der Luft, als der Korso der historischen Fahrzeuge über die kleine Inselbrücke in Werder brummt. Entlang des Havelufers kann man sie bestaunen: die vielen Fords, Opels, BMWs, aber auch Trabbis, aus vergangenen Zeiten. Passend dazu sieht man den einen oder anderen gewandet im RockabillyStyle der 1950er-Jahre. Pin-up-Kleider, Collegejacken und Petticoats erzeugen das Gefühl, auf der Paradise Road zu sein, jener Straße, auf der sich im Hollywoodklassiker „American Graffiti“ jugendliche Gangs Rennen lieferten."

fahrbare-sehnsucht-04Steffen Kühn aus Königs Wusterhausen ist einer aus der Szene, der immer wieder begeistert mit seinem Ford Fair Lane, BJ 1959, vorfährt und sich freut, Gleichgesinnte zu treffen. 12.500 Autos dieser Art wurden seinerzeit gebaut, rund 2.000 fahren weltweit noch herum. Hätte es geregnet, wäre Kühn übrigens nicht gekommen, er sei der klassische Schön-Wetter-Oldtimer-Fahrer, denn immerhin sei der Wagen mit 60.000 Euro doch ziemlich wertvoll. Insofern könnte es also auch die Sehnsucht nach einer renditestarken Wertanlage sein, die die Magie der Oldtimer ausmacht. Manche Wagen bringen es auf mehr als 10 % Wertsteigerung pro Jahr. Renate Hellenthal, Besucherin aus Potsdam, möchte zwar keinen alten Wagen kaufen, findet jedoch die urige Stimmung und diese geniale Atmosphäre der ersten Werder Classic faszinierend und hofft auf Wiederholung.

Das Format Werder Classic werde auch 2017 ein Höhepunkt im Programmkalender der Havelstadt sein, erklärt Harald Klostermann, Initiator und einer der vielen Sponsoren des Events, denn schließ- lich könne Werder mehr als nur Baumblüten und Wein.

„Flower meets Power“

fahrbare-sehnsucht-05Auch das Holländer-Viertel kann mehr als Tulpen. Und so entwickelte die Aktionsgemeinschaft des Potsdamer Vorzeige-Viertels die Idee zur Veranstaltung „Flower meets Power“. Oldtimer, dabei sogar einige, die bereits in Filmen mitgefahren sind, konnten nicht nur bestaunt werden, sondern wurden von Andreas Keßler, dem „Autopapst“, en detail vorgestellt. Ein Auto, der Ford T aus dem Jahr 1915, entlockte jedem Betrachter ein Lächeln. Es sei ja auch ein „Freu-DichAuto“, so die Besitzer Klaus und Cornelia Schröder, die auf Einladung des Mode-Designers Marco Marcu aus Dessau anreisten. Mit ihrem Ford erlebten sie so viel Fahrspaß und Freude, dass sie sogar damit zum Einkaufen oder einfach so mit einer durchschnittlichen Reisegeschwindigkeit von 50 km/h durch die Gegend fahren. „It’s a go car, not a show car“, pflegt Klaus Schröder zu sagen.

Auch diese Veranstaltung soll eine Wiederholung erleben, denn die Sehnsucht nach der guten alten Zeit wird bleiben.

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