Licht Spiel Kunst

Lichtmauer in Berlin 2014 - Foto: www.mueller-grunewald.de

Die Natur inspiriert sie genauso wie die Architektur. Die Kleinmachnower Künstlerin Karin Müller-Grunewald fand eine eigene Technik, Stimmungen, Räume und Dinge neu zu sehen.

Gerade kommen ihre Bilder von einer Ausstellung in Neumünster zurück. Sie stehen noch eingepackt im Flur ihrer hellen Wohnung. „Ich mache alles allein und Kunst ist manchmal schwer“, offenbart Karin Müller-Grunewald mit einem verschmitzten Lächeln. Auf der Staffelei steht ein fast fertiges Ölbild, das die Malerin „Blüten im Wind“ nennt. Doch es sind vor allem ihre Arbeiten mit Fotografien, die viel beachtet werden. Ihre eigenen Aufnahmen inspirierten Karin Müller-Grunewald zu dieser individuellen Technik, die an Gesteinsschichten erinnert, deren Querschnitt Entwicklungsgeschichte rafft. „Das gibt mir nötigen Freiraum zu gestalterischen Möglichkeiten."

Durch das Auswählen, Verwerfen und Zusammensetzen entstehen aus meinen Fotografien neue Bilder, wächst ein unverbrauchter Zugang zu Ereignissen, Orten, Stimmungen und Emotionen – manchmal auch alles zusammen“, bekennt die Malerin. Bei den Bildern schwingen die Formen und Farben, die Überlagerungen erzeugen, mitunter entsteht ein unscharfer 3-D-Effekt. Eine Veränderung der Betrachtungsperspektive eröffnet nicht selten Überraschendes. Bei so manchem ihrer Werke bleiben die Orte erkennbar so wie bei „Gendarmenmarkt“ und „Lichtmauer“. Das Freudenwerk über die wiedervereinigte Stadt hängt seit Mai 2015 als Leihgabe im Berliner Rathaus. Bei anderen Bildern führt die Kleinmachnower Malerin ihre hauseigene Montagetechnik bis hin zu Abstraktion wie bei „Atlantik“ in verschiedenen Schattierungen satter, warmer Gelbtöne. Das Gemälde auf Acrylglas atmet lebendige Klarheit und edle Schlichtheit. Und natürlich gibt es im Portfolio von Karin Müller-Grunewald klassisch gemalte Bilder. In allen Werken dominiert eine starke Farbigkeit und ein sinnliches Spiel mit dem Licht.

Malerin Karin Müller-Grunewald - Foto: privat
Malerin Karin Müller-Grunewald – Foto: privat

In den letzten Jahren zeigte die Kleinmachnowerin ihre Werke in mehreren Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen sowie auf Kunstmessen wie der Berliner InArte WERK-KUNST-GALERIE und der renommierten „Berliner Liste“. Im Dezember 2015 stellte sie in der Berliner Galerie „Kunst am Gendarmenmarkt“ aus. Erstmals waren ihre Bilder im Jahr 2011 beim Teltower Kunst-Sonntag öffentlich zu sehen. Viele, die kamen, kannten Karin Müller-Grunewald aus einem ganz anderen beruflichen Umfeld, denn die Lehrerin ging im Jahr 1980 als pädagogische Betreuerin zur DEFA nach Babelsberg. Sie arbeitete mit vielen bekannten Regisseuren, so mit Rolf Losansky, einem der erfolgreichsten Kinderfilmregisseure der DDR. Die Pädagogin suchte Kinder und Jugendliche für Filmrollen. Das verlangte nicht nur Fingerspitzengefühl, sondern auch ein schnelles Erfassen von Typ, Ausstrahlung und „Filmgesicht“ – das Hinterfragen von ersten Eindrücken. Immer mit dabei: die Kamera. Nach der politischen Wende machte sie aus ihrer zehnjährigen Erfahrung eine Geschäftsidee und gründete die Agentur „Gesichter“, später „Agentur by Karin Müller-Grunewald“. Sie fand Talente wie Anna Hausburg, Frederick Lau, Paula Schramm, Ludwig Trepte und Thomas Drechsel, ihr verdankt auch Josefine Preuß die Entdeckung. „Gemalt habe ich schon immer“, erzählt Karin Müller-Grunewald. In der Schneiderlehre – die Mutter mahnte, doch erst einmal „etwas Richtiges“ zu lernen – Figurinen für Kleider, Röcke, Hosen, später fand sie beim Malen die Ruhe, die sie bei der Arbeit nie hatte.

Längst interessieren sich Kunstfreunde auf der ganzen Welt für die Bilder der Brandenburger Malerin. Einladungen nach Mailand, Tokio und Paris liegen vor. Doch Karin Müller-Grunewald neigt nicht zur Euphorie und ermahnt sich selbst, ihre Kräfte und Möglichkeiten einzuteilen. „Ich möchte fotografieren und malen“, sagt sie bescheiden. Fünf Ausstellungen hat sie in Vorbereitung.

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