Wunder brauchen Übung

4 Musik-Talente, 4 Saxophone und viel Spielspaß: Clara August, Arthur von der Heiden, Eva Reinhardt und George Kozlovski - Fotos: Jutta Pfeuffer

Star-Pianist Lang Lang erzählt gern die Geschichte, dass er im Alter von zwei Jahren im Fernsehen eine Folge von „Tom und Jerry“ sah und daraufhin beschloss, Klavier zu lernen. Der heute 10-jährige George Kozlovski hörte als Vorschulkind bei einer Konzertprobe ein Saxophon und wusste von da an: Das will ich spielen!

Nun noch „ein gesundes Forte geben“, fordert Musiklehrer Ralf Benschu seinen Schüler auf. „Und jetzt noch mal ganz leise.“ George absolviert gerade seine dritte Unterrichtsstunde im Fach Klarinette. Mit Schulbeginn meldeten die Eltern ihren Sohn in der Städtischen Musikschule Potsdam „Johann Sebastian Bach“ an. Los ging’s mit Blockflöte. „Das war bald langweilig“, erzählt George. „Blockflöte ist und bleibt aber das ideale Einstiegsinstrument“, weiß Ralf Benschu, der George seit zwei Jahren an der Potsdamer Musikschule im Fach Saxophon unterrichtet und ihn nun auch beim Klarinetten-Ausflug begleitet. Hinzu kommen Privatstunden am Klavier. „George ist ein sehr begabter, fleißiger Schüler“, urteilt Musiker Benschu, der einst bei Keimzeit spielte und heute Mitglied des Potsdamer Saxophon-Quartetts Meier‘s Clan ist. „Manchmal ist er ein bisschen anstrengend“, meint er lachend, denn George ist ein quirliger Junge, der Fußball liebt („in jeder Hofpause“) und gute bis sehr gute schulische Leistungen am Evangelischen Gymnasium Hermannswerder (Mathe und Englisch 1) mit seinem intensiven Übungskalender verbindet.

Zwei Stunden Klavier und mindestens ein Stunde Saxophon oder Klarinette sind freiwilliges tägliches Pensum, dazu Einzelunterricht sowie das Saxophon-Quartett an der Musikschule, dessen jüngstes Mitglied er ist. „Ich mag Musik“, erklärt der Junge mit den großen braunen Augen. Er kommt aus keiner Musikerfamilie, aber „meine Uroma in Moskau spielt Klavier“, erzählt er. Längst hat er Konzerterfahrung, so bezauberte er mit seinem Auftritt beim Adventskonzert von Meier‘s Clan in der Potsdamer Nikolaikirche das Publikum und qualifizierte sich für den Landes-Wettbewerb von „Jugend musiziert“. Lampenfieber? George schüttelt den Kopf. Mama und Papa sitzen dann im Publikum und drücken ganz fest die Daumen. Sie wissen, dass George manche Takte 45 Minuten lang übt, ehe sie genau so sind, wie er sich das wünscht. Und die Zukunft? „Viel üben. Und wenn Musik nicht mein Beruf wird, dann bleibt sie ganz bestimmt immer mein Hobby“, meint der 10-Jährige, der Klassik und moderne Musik mag. Er selbst spielt am liebsten Bach. Auswendig natürlich. „Ich lerne ziemlich schnell Musik ohne Noten zu spielen“, erklärt er selbstbewusst.

Ein weites, weites Feld

Heike Lupuleak, Direktorin der Städtischen Musikschule Potsdam, Finderin und Förderin von Talenten - Foto: G. Uwe Hauth
Heike Lupuleak, Direktorin der Städtischen Musikschule Potsdam, Finderin und Förderin von Talenten – Foto: G. Uwe Hauth

Als „weites, weites Feld“ sieht Heike Lupuleak das Finden und Fördern von Talenten. Seit über 30 Jahren arbeitet die Musikpädagogin an der Musikschule, seit 2010 ist sie Direktorin des klingenden Hauses. „Bei uns können alle Kinder ein Instrument lernen oder ihre Stimme ausbilden lassen, es gibt keine Vorauswahl oder Einschränkungen“, erklärt sie. Offenbart sich bei Kindern und Jugendlichen Talent und Motivation, greift ein in sich abgestimmtes System der Förderung, das mit der Begabtenförderung beginnt und bis hin zur studienvorbereitenden Ausbildung führen kann. „In allen diesen Etappen müssen wir ehrlich und umfassend beraten“, weiß Heike Lupuleak. 43 der insgesamt knapp 3.000 Schülerinnen und Schüler der Musikschule werden gegenwärtig besonders gefördert, darunter George Kozlovski. Er wie die 42 anderen erhalten zusätzliche Unterrichtszeit, die gebührenfrei ist. Kein Dauer-Geschenk, denn die Leistungen müssen jährlich in einer Prüfung vor einer Jury aus Fachlehrern der Musikschule unter dem Vorsitz der Direktorin bestätigt werden. Heike Lupuleak kennt viele Biografien: Ehemalige Schüler, die heute Orchester dirigieren, oder „fröhliche Zahnärzte, die begeisterte Hobby-Musiker“ sind. Hauptsache Musik.

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