Posamenten, Brot und Hightech

Eine Blitzumfrage im Freundes-, Kollegen- und Bekanntenkreis ergab: Nur etwa jeder Zweite weiß, was Posamenten sind. Eine der letzten Posamenten-Manufakturen Deutschlands gehört zu den Preisträgern des Zukunftspreises Brandenburg 2016, der Anfang November auf Schloss Neuhardenberg an neun Unternehmen des Landes verliehen wurde.

Dr. Miloš Stefanović, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Brandenburg, übergab den Zukunftspreis an Diane Maren Jende von der Posamenten Manufaktur in Forst – Fotos: Winfried Mausolf

Klären wir also auf: Posamenten sind Schmuckelemente auf den verschiedensten Textilien wie Kleidung, Vorhängen, Polstermöbeln und Kissen. Zierbänder, Fransen, Kordeln, Quasten, Taue, Besätze, Raffhalter … haben keine andere Funktion als einfach schön auszusehen. In der Tuchmacherstadt Forst arbeitet ein Unternehmen, in dem seit 1884 in feinster Handarbeit Posamenten entstehen. Wie viele es sind, kann Diane Maren Jende nicht sagen, denn „wir fertigen jeden Auftrag individuell und allein das Material lässt so viele verschiedene Möglichkeiten zu, dass so eine Zahl nicht wichtig ist“, erklärt die junge Inhaberin, die im Jahr 2013 als Quereinsteigerin das Unternehmen übernahm. Der traditionsreichen Manufaktur – einst königlich preußischer Hoflieferant – drohte das Aus. Die Fachkenntnis brachte Ehemann Christian Jende als Raumausstatter mit eigenem Geschäft mit, Ehefrau Diane Maren ist ein Organisationstalent. Gemeinsam eint sie der Wille: Wir schaffen das! Was hat nun ein Jahrhunderte altes Handwerk mit dem Zukunftspreis zu tun, der an Hightech und Softwarelösungen denken lässt? „Zum einen lebt bei uns als einer der letzten Posamenten-Manufakturen in Deutschland ein altes Handwerk weiter. Werte Bewahren ist innovativ und zukunftsgerichtet. Zum anderen entwickeln wir dieses Handwerk natürlich weiter, indem wir Farben, Designs und Ausführungen dem Zeitgeist anpassen. Und was nicht vergessen werden sollte: Alles, was wir herstellen, entsteht hier vor Ort, made in Brandenburg“, erklärt Diane Maren Jende."

Mit ihren Geschäftsideen und -entwicklungen überzeugten sie genauso wie die anderen acht Preisträger die Jury. Rund 80 Brandenburger Unternehmen bewarben sich um den Preis, der durch die sechs Wirtschaftskammern des Landes vergeben und von dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, der Investitionsbank des Landes Brandenburg, der Bürgschaftsbank Brandenburg, der Deutschen Bank, der EWE, der Zurich Gruppe, den Agenturen für Arbeit im Land Brandenburg, der Märkischen Oderzeitung, der Märkischen Allgemeinen, der Lausitzer Rundschau und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg unterstützt wird. Unter den neun Preisträgern sind unterschiedliche Branchen vertreten, so ein Sanitärbetrieb, eine Bäckerei & Konditorei sowie ein Entwickler und Hersteller von Komponenten für Radarund Kommunikationsanwendungen.

Der frühere Ministerpräsident Manfred Stolpe übergab einen Sonderpreis an Klaus Windeck, ehemaliger Präsident der Handwerkskammer Potsdam

Ein besonderer Moment der Auszeichnungsveranstaltung war die Ehrung von Klaus Windeck, ehemaliger Präsident der Handwerkskammer Potsdam und ehemaliger Geschäftsführer der Metallbau Windeck GmbH, mit dem Preis für sein Lebenswerk. Weggefährte Manfred Stolpe, Ministerpräsident a. D., ließ es sich nicht nehmen, die Auszeichnung zu übergeben. Er würdigte Windeck als eine Persönlichkeit, die eine beispielhafte Erfolgsgeschichte als Unternehmer und ehrenamtlicher Präsident im Handwerk geschrieben habe. „Untrennbar ist sein Name mit dem Gelingen der politischen und wirtschaftlichen Veränderungen nach der deutschen Wiedervereinigung und der ihr folgenden brandenburgischen Erfolgsgeschichte im Handwerk verbunden“, so der Laudator.

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