„Heirats“ längste Reise

Foto: Tanja M. Marotzke

Er ist jung, schön, ein waschechter Brandenburger, verfügt über Idealmaße, schlug alle Konkurrenten aus dem Feld und trägt den schönen Namen „Heirat“. Ende vergangenen Jahres ging der Przewalski-Hengst aus der Döberitzer Heide via Prag auf die Reise in das Kalameili-Naturreservat im Norden Chinas.

Przewalski-Stuten aus der Döberitzer Heide in der Mongolei – Foto: Archive Prague Zoo

Das Naturreservat ist Teil der zentralasiatischen Wüste Gobi. Das Gebiet aus Fels, Geröll und Sand nennen die Chinesen poetisch „endloses Meer“. Hier, in der sechstgrößten Wüste der Welt, liegt die ursprüngliche Heimat der Przewalski-Pferde, die einst die gesamte eurasische Steppe besiedelten. Sie teilen das Los vieler Wildtiere, denn Ende der 1960er-Jahre galten sie als nahezu ausgerottet. Aus Zoobeständen konnten rund 30 Jahre später einige kleine Herden angesiedelt werden. Trotz Rückschlägen im Ausnahmewinter 2009/2010, in dem zwei Drittel der Tiere Kälte und Futtermangel zum Opfer fielen, tummeln sich heute wieder Herden der Wildpferde in ihrer ursprünglichen Heimat. Und nun kommt unser Held aus der Döberitzer Heide ins Spiel. „Heirat ist ein prächtiges Exemplar seiner Art und bringt die genetisch dringend notwendige Auffrischung in die Herde des Wild Horse Breeding Centre (WHBC) im nordchinesischen Jimsar“, erklärt Peter Nitschke, Projektleiter von Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide, in deren Schaugehege der Hengst im Jahr 2015 geboren wurde. Unter den kritischen Augen der Mitarbeiter des Europäischen Zuchterhaltungsprogramms (EEP) erfüllte „Heirat“ am besten die strengen Auswahlkriterien. Dafür sorgten sowohl seine Mama, die in der Döberitzer Heide geborene Przewalski-Stute Heidi, und Papa Xarim als auch Dr. Lydia Kolter, Direktorin des Kölner Zoos und Betreuerin des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms. Sie hatte den jungen Hengst aufgrund seiner genetischen Voraussetzungen für das Wiederansiedlungsprojekt auf das oberste Treppchen gestellt. „Heirat“ empfahl sich auch durch eine vergleichsweise große genetische Distanz zu den Tieren im Norden Chinas, obwohl alle Przewalski- Pferde von demselben Grundstock von gerade einmal zwölf Tieren abstammen.

Nach 35 Stunden Flug in der neuen Heimat – Foto: Archive Prague Zoo

Die große Reise des jungen Hengstes ins Kalameili-Naturreservat führte über den Prager Zoo, der mit dem Projekt „Return oft the Wild Horses“ auf die Wiederansiedlung von Przewalski-Pferden in der Mongolei und anderen Teilen Asiens spezialisiert ist. Fachleute des Prager Projekts kümmerten sich um die Gesundheit des Auserwählten während des gesamten Transports per LKW und Flugzeug. Nach einem rund 20-stündigen Flug in einer Transportmaschine der tschechischen Luftwaffe und insgesamt 35 Stunden Reisezeit landete „Heirat“ heil und gesund am Rande des Kalameili-Naturreservats.

Er ist bereits der fünfte Brandenburger Blutauffrischungs-Export aus Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide westlich der Berliner Stadtgrenze und südlich der Bundesstraße 5 zwischen Dallgow-Döberitz, Seeburg, Elstal und Priort. „Wir freuen uns sehr darüber, denn es zeigt, wie sehr unser Beitrag zum Schutz der letzten Wildpferdeart inzwischen Früchte trägt“, so Projektleiter Peter Nitschke. Die beiden Stuten „Heia“ und „Heilige“ reisten im Herbst 2015 von Elstal/Havelland in die mongolische Wüste Gobi. Bereits 2013 wurden die beiden Stuten Greta und Xara hier heimisch und leben seitdem in einer sogenannten Haremsgruppe eines in Freiheit geborenen Hengstes. Sie haben im Frühjahr 2015 jede ein gesundes Fohlen geboren. Inzwischen ist auch „Heirat“ längst in seiner Herde und trägt aktiv zum Überleben der letzten Przewalski-Pferde im Innern Asiens bei.

Die Heinz Sielmann Stiftung in Brandenburg: Naturschutz und Naturerlebnis Hand in Hand

Foto: Heinz Sielmann Stiftung

Die Stiftung des berühmten Tierfilmers Heinz Sielmann, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, begann bereits in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts, weiträumige Flächen für den Naturschutz zu sichern. Mit dem Kauf großer unzerschnittener Landschaften in Brandenburg erhält und schafft die Heinz Sielmann Stiftung Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen. Allein in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide bei Berlin sind mehr als 300 verschiedene Wirbeltierarten heimisch. Viele Arten haben sich wieder angesiedelt.

Sielmanns Naturlandschaften Döberitzer und Kyritz-Ruppiner Heide, Groß Schauener Seen, Wanninchen und Tangersdorfer Heide umfassen insgesamt gut 13.000 Hektar. Aus ehemaligen Truppenübungsplätzen und Tagebauflächen Brandenburgs wurden großflächige Naturparadiese, wo Tausende von Tier- und Pflanzenarten ungestört leben und wachsen können. Entscheidend für den Erfolg ist neben dem Gebietsschutz die Einbindung und Sensibilisierung der Menschen. „Wir können nur schützen, was wir auch kennen“, war die Haltung von Naturfilmpionier Heinz Sielmann. Durch Umweltbildung, Wanderwege und Erlebnisangebote in den Landschaften fördert die Stiftung die Sensibilisierung des Menschen für den Schutz der Natur.

Zu Ehren des 100. Geburtstages von Heinz Sielmann präsentiert die Heinz Sielmann Stiftung und das Museum für Naturkunde in Berlin bis zum 5. November die Ausstellung SIELMANN! Seltene und wichtige Tierarten von Sielmanns Naturlandschaften werden durch Objekte und Filmbeiträge von Heinz Sielmann dokumentiert.

In diesem Jahr baut die Heinz Sielmann Stiftung ihre touristischen Angebote in den geschützten Brandenburger Naturlandschaften aus. Mehr Informationen zu den Landschaften und ihren Angeboten unter:

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