Kurze Wege, lange Spuren

Elbuferpromenade mit historischen Getreidespeichern - Foto: Detlef Benecke

Ziemlich genau zwischen Berlin und Hamburg liegt die Prignitz. Die Region im Nordwesten Brandenburgs punktet mit dem naturnahen Lebensraum der Elbtalauen, einer funktionierenden Infrastruktur, viel Kultur und interessanten Spuren der Geschichte. Und: Hier wächst wirtschaftliche Stärke. Die Prignitzer Macher setzen dabei auf Gemeinsamkeit. Stichwort: Regionaler Wachstumskern.

Die Regionalen Wachstumskerne (RWK) entstanden nach der Jahrtausendwende als Förderprogramm der Brandenburger Landesregierung, um Regionen und insbesondere deren Wirtschaftskraft zu stärken. In der Prignitz, die mit ihren Zugängen zu Autobahn, Elbe, ICE-Trasse und Elbehafen gut angebunden ist, haben sich Wittenberge, Perleberg und die Gemeinde Karstädt im RWK zusammengeschlossen. „Das war für uns der Beginn einer Erfolgsgeschichte“, erinnert sich Annett Jura, Bürgermeisterin der Stadt Perleberg. „Die Kooperation im RWK hat im Laufe der Jahre den lokalen Egoismus überwunden und uns sehr eng zusammengeführt – auf Bürgermeisterebene und bei der Wirtschaftsförderung. Auch wenn es simpel klingen mag: Das Gemeinsame hat uns vorangebracht“, resümiert Perlebergs Bürgermeisterin. Längst haben sich gut funktionierende Strukturen herausgebildet, die gelebter Alltag sind. Alle zwei Wochen kommt die RWKLenkungsgruppe zusammen, in der die drei Bürgermeister, das Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz, der Landkreis als beratendes Mitglied, die Wirtschaftsinitiative Westprignitz (WIW) und natürlich die Wirtschaftsförderung des Landkreises arbeiten. „Hier bestimmt das Miteinander, und es geht um alle Themen zwischen Standortentwicklung, Neuansiedlungen, Unternehmensbetreuung, Infrastrukturentwicklung, Familienfreundlichkeit, Gesundheit, Kultur, Sport, Tourismus und vieles mehr“, erklärt Lutz Lange, Vorsitzender der Wirtschaftsinitiative Westprignitz, ein Unternehmerverband mit 150 Mitgliedern. „Für uns ist der RWK eben keine Förderkulisse, sondern lebendige Kooperation auf allen Gebieten des kommunalen Lebens, so dass auch viele Projekte hier angedockt werden können“, fasst Udo Staeck, Bürgermeister Gemeinde Karstädt, zusammen."

In der Region bestimmt ein reizvoller Mix aus alteingesessenen Industriebetrieben – wie das Fahrzeuginstandhaltungswerk der Deutschen Bahn, eine Keimzelle der industriellen Entwicklung der Region – und neuen Ansiedlungen die wirtschaftliche Entwicklung. So hat sich das international tätige Unternehmen IOI OLEOCHEMICAL für die Prignitz entschieden. Dachsteine und Dachziegel der Monier Braas-Gruppe kommen aus Brandenburgs Norden, der internationale Fleischproduzent Vion hat einen seiner 27 Produktionsstandorte hier und das Agrarunternehmen Ceravis gehört zu den Unternehmen, die neu im Territorium sind. Ein neues Werk des Brandschutzexperten Minimax Viking ist im Entstehen, der österreichische Dämmstoffhersteller Austrotherm baut seine Produktion weiter aus.

Für den Standort in der Prignitz hat sich der börsennotierte Frankiermaschinenhersteller Francotyp- Postalia (FP) entschieden. Ein Unternehmen mit Wachstumspotenzial auf dem schrumpfenden Markt der analogen Post, der eben doch kein Auslaufmodell ist. „Zugleich sehen wir, dass sich bisher kleine regionale Unternehmen erfolgreich entwickeln. Historisch bedingt fehlte ja im Osten Deutschlands eine wirtschaftlich starke Mittelschicht. Die bildet sich hier bei uns gegenwärtig heraus und entwickelt die Wirtschaftskraft für zukünftige Investitionen“, weiß Dr. Oliver Hermann, Bürgermeister der Stadt Wittenberge. Was schätzen die Unternehmen am Standort Prignitz? „Das ist ein bunter Strauß von Faktoren. Was immer wieder genannt wird, sind die kurzen Wege – sowohl im Territorium als auch für Entscheidungen. Wir kümmern uns um die Probleme der Unternehmen, gerade auch, weil die Bürokratie gewachsen ist. Hierbei ist das Netzwerk RWK ein wichtiges Gremium. Alle Player sitzen um einen Tisch und diskutieren nicht nur Probleme, sondern schaffen Lösungen und wenn das partout nicht geht, schaufeln wir Wege für Lösungen. Das ist eine Art von ‚Willkommenskultur‘ für Unternehmen, die hier vor Ort auch erleben, dass die Arbeitskräfte ein Umfeld mit einer hohen Lebensqualität haben“, erklärt der Bürgermeister Wittenberges.

Foto: RWK Prignitz

Diese Lebensqualität schildert Dr. Oliver Hermann an einem Beispiel: „Eine Hamburger Familie erwartet ihr drittes Kind. Es werden Zwillinge. Nun beginnt sie in der Hansestadt nach halbwegs bezahlbarem Wohnraum zu suchen. Vergeblich. Der Familienvater, der in Berlin arbeitet, erinnert sich an seinen Aufenthalt in Großbritannien, wo es schon vor Jahren durchaus üblich war, in Bristol zu wohnen und in London zu arbeiten. In die engere Wahl der Familie kamen Ludwigslust, auch hier hält der ICE, und unsere Stadt. Wittenberge überzeugte dann letztendlich durch sein städtisches Lebensgefühl – wir sagen immer gern ‚Klein Berlin‘ – und die Naturnähe. Die Familie lebt nun in einem schön sanierten Gründerzeit- Haus in Wittenberge“ – Lebensqualität made in Prignitz …

Regionaler Wachstumskern Prignitz

Die Städte Wittenberge und Perleberg sowie die Gemeinde Karstädt sind zusammen als Regionaler Wachstumskern Prignitz Schwerpunkt der Investitionsförderung im Lande Brandenburg.

Die größten Wirtschaftsbranchen:

  • Logistik
  • Mineralölwirtschaft
  • Metall
  • Ernährung
  • Energie

Gefördert aus Mitteln des Bundes und des Landes Brandenburg im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur – GRW-Infrastruktur.

 

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