Lotte war’s

Anne-Martha Schuitemaker aus den Niederlanden. Sie ist Studentin an der UdK in Berlin - Fotos: Lotte Lehmann Akademie

Stimmbildung und Schauspielunterricht ja, aber Sport? „Die Anforderungen an den Opernbühnen sind hoch. neben stimmlicher Flexibilität und Darstellungskunst sind gerade auch Kondition sowie mentale und körperliche Fitness wichtig im Bühnenalltag“, erklärt Angelo Raciti, seit 2003 künstlerischer Leiter der Lotte Lehmann Woche, seit 2009 der Lotte Lehmann Akademie.

Die Schweizerin Sarah Matousek, die im vergangenen Jahr bei der Kammeroper Schloss Rheinsberg die Morgana in Händels Alcina sang

Die Namensgeberin, 1888 in Perleberg geboren, wurde zu einer der größten Opernsängerinnen des 20. Jahrhunderts. Das Publikum lag ihr zu Füßen, Puccini, Toscanini und Caruso liebten ihre Stimme genauso wie ihr leidenschaftliches Bühnentemperament. Nach ihrer Emigration 1938 in die USA unterrichtete und prägte sie an der Music Academy of the West in Santa Barbara eine ganze Generation herausragender amerikanischer Sänger von Weltruf. „Lotte war’s“ antwortet Angelo Raciti auf die Frage, was ihn ins brandenburgische Perleberg zog. Der opernbegeisterte Kulturwissenschaftler mit Gesangsausbildung war schon lange vertraut mit den Tonaufnahmen von Lotte Lehmann. Aus Begeisterung für ihre Kunst bewarb er sich im Jahr 2000 bei der Lotte Lehmann Woche für einen Meisterkurs bei einer ehemaligen Schülerin von Lotte Lehmann. Danach wusste Angelo Raciti, dass Singen seine Berufung ist. Längst gibt er Können, Bühnen- und Lebenserfahrung an den talentierten Nachwuchs weiter und weiß, „dass wir an der Akademie im Geist und mit dem künstlerischen Anspruch von Lotte Lehmann arbeiten.“ Den täglichen Gesangsunterricht, Sprach- und Stilcoaching sowie Workshops in Körperarbeit und Bühnentraining erteilt ein renommiertes Dozententeam, von dem jeder Einzelne Jahrzehnte währende Karrieren an den größten Opernbühnen der Welt vorweisen kann. Wie jeden Sommer gaben auch dieses Jahr unter anderem die Weltstars und Lotte-Lehmann- Meisterschüler Karan Armstrong und Thomas Moser den hochtalentierten jungen Sängern den letzten Schliff für den Karrierestart. „Wir simulieren in diesen drei Wochen die intensive Arbeitsatmosphäre an einer Opernbühne vor einer Premiere. Es ist so eine Art kontrollierter Stresstest, bei dem wir erleben, ob und wie die Sängerinnen und Sänger unter hoher Belastung aufnahmefähig bleiben“, erklärt der künstlerische Leiter. Jeder der jungen Künstler hat täglich vier bis sieben Stunden Einzelunterricht.

Magdalena Polkowska (Polen), Cynthia Lemarie (Chile), Julia Schuhmacher und Maria Cecilia Baumegger (Brasilien) – v. l. n. r.

Angelo Raciti verweist darauf, dass Perleberg „ein wunderbarer Ort“ für das Lernen und Lehren ist. „Es bietet nicht nur besondere Möglichkeiten für unsere Konzerte, sondern strahlt Ruhe aus, die Konzentration fördert.“ Das bestätigt Julia Schuhmacher aus vollem Herzen, schließlich ist die Sopranistin in Perleberg geboren und aufgewachsen. Ihr Talent fiel auf und wurde gefördert. Schon mit 13 Jahren absolvierte sie ihren ersten Schnupperkurs bei der Lotte Lehmann Woche. „Ich sang Musicals“, erinnert sich die 26-Jährige, die heute an der Hochschule für Musik und Theater Rostock Gesang studiert und in Sachen Lotte Lehmann Akademie bekennende Wiederholungstäterin ist. „Meisterkurse sind für die berufliche Entwicklung sehr wichtig“, weiß Julia Schuhmacher, die plant, im Sommer 2018 ihr Studium erfolgreich zu beenden. „Für die jungen Sängerinnen und Sänger ist es vorteilhaft, dass wir häufig Regisseure, Intendanten und Agenten von Theatern und Opernhäusern zu Gast haben, die nicht nur ein Feedback zu Präsentation und Bühnenwirkung geben, sondern auch nach Talenten Ausschau halten, die in ihre Ensembles passen könnten“, berichtet Angelo Raciti. Er ist immer wieder erstaunt, wie schnell bei sich vielen Teilnehmen der Sommerkurse, die in diesem Jahr aus zehn Nationen stammen, ein Qualitätszuwachs einstellt. Den beweisen die Sängerinnen und Sänger nicht nur im Probenraum, sondern auch auf der Bühne. Die Konzertreihe ist ein Klassikhöhepunkt in der Prignitz. „Natürlich ist es für die jungen Künstler ein positives Erlebnis, wenn ihre Kunst Anerkennung erhält und gewürdigt wird.“

Angelo Raciti im Duett mit Elizabeth Moran aus den USA

Die Organisatoren haben für die Konzerte engagierte Veranstaltungspartner gefunden und suchen kontinuierlich Orte, denen eine besondere Atmosphäre innewohnt. „Wir haben längst ein Stammpublikum,“ freut sich der künstlerische Leiter „das auch ausharrt, wenn es plötzlich anfängt zu regnen wie im zweiten Teil des Konzertes ‚Oper im Schlossgarten‘ auf Schloss Grube Mitte August.“ Elf Konzerte gab es in diesem Sommer unter anderem im Perleberger Ristorante L‘Italiano (mit italienischem Buffet), im Kreiskrankenhaus Prignitz, in der Festscheune auf Dahses Erbhof in Glövzin, im historischen Judenhof Perleberg, in den Kirchen von Groß Gottschow, Wittenberge und Perleberg. Die große Abschlussgala der 9. Lotte Lehmann Sommerakademie fand Ende August im Kaisersaal des Hotels Deutscher Kaiser in Perleberg statt. Und wenn der letzte Beifall verklungen ist, freuen sich alle schon auf den nächsten Konzertsommer in der Prignitz mit den großen Stimmen junger Künstler.

Partner und Förderer der Lotte Lehmann Akademie und der Lotte Lehmann Woche sind:

Stadt Perleberg | Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Prignitz | Regionaler Wachstumskern Prignitz | Prignitz Sommer | Plakatlicht K. Treger – Außenwerbung | Kreiskrankenhaus Prignitz gemeinnützige GmbH | PVU – Prignitzer Energieund Wasserversorgungsunternehmen GmbH | Pianohaus Zechlin | Immobilienverwaltungs- und Servicebetrieb Landkreis Prignitz | Osters & Voß | PCA Perleberg – private creative art | Hotel Deutscher Kaiser | Gästehaus Perleberg | Ristorante L‘Italiano | Restaurant „Dahses Erbhof“ | Reisedienst Westprignitz | Bürgerverein Perleberg | Ocumed Gästehaus Groß Pankow | Architekturbüro Klaus Röpke

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