Ein Brandenburger Kopf

Foto: Alexander Stingl

Herbert Köfer, Schauspieler

Gerade stand Herbert Köfer als armer Nachbar in der Potsdamer JEDERMANN- Aufführung auf der Bühne. Wer den 97-Jährigen erlebte, legt ganz schnell alles, was er je über Alters-Defizite gelesen, gehört und erlebt hat, beiseite. Der Schauspieler überzeugte mit seiner Bühnenpräsenz in acht Vorstellungen, feierte mit seinen Kollegen nach der Premiere bis weit nach Mitternacht und steckt voller Pläne. Zu seinem 98. Geburtstag wird er am 17. Februar im Kabarett „Die Oderhähne“ in Frankfurt (Oder) aus seinen Erinnerungen lesen. Und er hat viel zu erzählen … Geboren in Berlin-Prenzlauer Berg, absolvierte er zunächst eine kaufmännische Lehre bei der Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel. Doch schon bald zog es ihn an die Schauspielschule des Deutschen Theaters. Zu Beginn der 1940er-Jahre folgte das erste Engagement am Stadttheater Brieg (heute Brzeg/Polen) als Kronprinz Friedrich im Stück „Katte“. Nach dem Krieg nahm die Karriere an Berliner Bühnen rasant an Fahrt auf. Er brillierte in den großen Bühnenrollen, so in „Iphigenie“, „Kabale und Liebe“ und „Egmont“, das schon am Deutschen Theater. Zugleich pflegte er seine Liebe zum Kabarett. Bei der Gründung der „Distel“ gehörte er zu den Gründungsvätern. Im Dezember 1952 hob er den Deutschen Fernsehfunk in Adlershof als erster Nachrichtensprecher mit aus der Taufe. „Sie hatten keinen, da musste eben ein Schauspieler ran“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln. Es folgten Hunderte Rollen. Sie alle aufzuzählen, würde Seiten füllen. Beispielhaft genannt seien Filme wie „Nackt unter Wölfen“, die Fallada-Verfilmungen „Wolf unter Wölfen“ und „Kleiner Mann, was nun?“, im Fernsehen „Rentner haben niemals Zeit“, „Geschichten übern Gartenzaun“ oder am Theater „Was ihr wollt“, „Guten Tag, Herr Liebhaber“, „Das lebenslängliche Kind“ und „Pension Schöller“. Viele Fernsehzuschauer kennen ihn noch aus den großen Unterhaltungsshows des DDR-Fernsehens. Nach der Wende stand er viel vor der Fernsehkamera, so in der ZDF-Familienserie Elbflorenz oder in den SOKO-Fernsehkrimireihen. Im Jahr 2003 gründete er „Köfers Komödiantenbühne“, die schon Pläne für das Frühjahr 2019 hat.

Im Jahr 2008 erschien seine Biografie „Nie war es so verrückt wie immer“, mit der der Volksschauspieler, Charakterdarsteller, Komödiant, Kabarettist, Synchronsprecher, Moderator und Buchautor nach wie vor sehr erfolgreich auf Lesetour unterwegs ist. In der Autobiografie fehlt der Weltrekord: Nach intensiver, monatelanger Prüfung überreichte ihm im September 2017 das Rekordinstitut für Deutschland (RID) anlässlich der 77. Bühnenjubiläums die Urkunde als ältester noch aktiver Schauspieler der Welt. Bleibt die Frage nach dem Lebenselixier von Herbert Köfer. Es ist wohl mindestens vier Elixiere, die aber alles andere als Wundermittel sind. Allen voran die Arbeit, die er liebt und deren Herausforderungen er sich immer wieder mit Herzblut stellt. Der Schauspieler selbst nennt Ehefrau Heike, seine Liebe, Managerin und Vertraute, mit der er seit dem Jahr 2000 verheiratet ist, und die Spaziergänge mit den Hunden. Und es ist wohl auch der ihm eigene Humor, der in Alltags- und schwierigen Situationen hilft. Herbert Köfer mag es übrigens gar nicht, über sein Alter zu reden. Pardon, wir haben es getan. Voller Respekt. Wir konnten nicht anders.

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