Warum essen wir, was wir essen?

Dr. Manuela Bergmann, Projektleiterin, DIfE; PD Dr. Liane Schenk, Charité – Universitätsmedizin Berlin; Prof. Dr. Matthias Schulze, DIfE und Prof. Dr. Petra Warschburger, Universität Potsdam (v .l. n. r.) - Foto: GERHARD WESTRICH FOTOGRAFIE | westrichfoto.de

Die Potsdamer Open-Air-Ausstellung „Wissenschaft im Zentrum“ macht auf ein Projekt des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) aufmerksam:

In der NutriAct-Familienstudie geht es unter der Fragestellung „Warum essen wir, was wir essen?“ um die Rolle des in der Kindheit erworbenen Ernährungsverhaltens für die aktuelle Ernährung in der selbst gegründeten Familie. Das wollten wir genauer wissen und sprachen mit der Epidemiologin Dr. Manuela Bergmann, die zudem das Humanstudienzentrum am DIfE leitet. "

Sind Sie in einer ernährungsbewussten Familie aufgewachsen?

Ja, da hatte ich Glück. Ich bin in den 60er- Jahren groß geworden und hatte eine Mutter, die immer darauf geachtet hat, dass es viel frisches Obst und Gemüse gab.

Das prägt. Doch später werden die Karten noch einmal neu gemischt. Welche Zielstellung hat die NutriAct-Familienstudie?

Familie fühlt sich vertraut an, diese Geborgenheit ist im Unterbewusstsein verankert. Wenn man eine eigene Familie gründet, treffen zunächst zwei verschiedene „Ernährungswelten“ aufeinander. So ergibt sich die Frage, wie beeinflussen sich die Partner in ihrer Beziehung? Sicher kennt jeder die Situation in der Familie, dass rationale Appelle in Sachen gesunder Ernährung oft abprallen. Es muss da also noch etwas anderes geben. Diese Zusammenhänge untersucht unter anderem das in Berlin und Brandenburg angelegte Verbundprojekt Nutritional Intervention for Healthy Aging: Food Patterns, Behavior, and Products – kurz NutriAct.

Welche Partner forschen gemeinsam?

Das sind Soziologen der Charité, Psychologen der Universität Potsdam, Psycho-Physiologen, die jetzt im Forschungszentrum Jülich arbeiten, und wir als Ernährungsepidemiologen am DIfE. Jeder der Wissenschaftler bringt eigene fachspezifische Fragestellungen ein. Das Spektrum reicht von den verschiedenen Aspekten des Essverhaltens über Lebensqualität bis hin zu körperlichen Aktivitäten. Gefragt wird unter anderem nach Werteorientierung, den Veränderungen der Ernährung in verschiedenen Etappen des Lebens, den Fähigkeiten, eigene Körpersignale wahrzunehmen, der Interaktion zwischen individuellen Essgewohnheiten und den Normen in Familie und Gesellschaft. Das Projekt berührt also sehr unterschiedliche Themenkreise.

Was wollen die Wissenschaftler mit der NutriAct-Familienstudie erreichen?

Wir möchten Empfehlungen erarbeiten, die helfen, auch im fortgeschrittenen Alter eine gesunde Ernährungsweise zu praktizieren. Wenn wir die Zusammenhänge besser kennen, ergeben sich – möglicherweise – neue Strategien für die Ernährungsberatung, insbesondere zur Senkung der Risiken, an Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs zu erkranken.

Und wer sich an der Studie beteiligen möchte?

Wenn Sie, Ihr Partner und ein Geschwister Interesse an einer Studienteilnahme haben, melden sich unter der E-Mail-Adresse familienstudie@dife.de. Bis 2021 möchten wir die Daten von rund 3.000 Männern und Frauen (das heißt 1.000 3er-Gruppen) im Alter von 50 bis 70 Jahren erfassen.

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