Das Jubiläum

Fotos: Stefan Sprecht / Annett Ullrich

Zum 20. Mal feierten rund 3.500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Gesellschaft den „Brandenburger Sommerabend“. Unter dem einprägsamen Motto „Das Jubiläum“ hatten Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, der Bevollmächtigte beim Bund, Staatssekretär Thomas Kralinski, und der Präsident des WirtschaftsForums Brandenburg, Dr. Miloš Stefanović, zu Gesprächen, kultureller Unterhaltung, Spaß und kulinarischen Köstlichkeiten aus Brandenburg am 19. Juni in den Kulturstandort Schiffbauergasse in Potsdam gebeten.

Und wie das bei Jubiläen so ist, machten auch bald die ersten Geschichten aus 20 Jahren die Runde. So wie die, dass einst Regenschirme angeschafft wurden, um die Gäste vor Unwetter zu schützen. „Wir hatten seit 12 Jahren keine Regentropfen beim Brandenburger Sommerabend“, weiß Dr. Miloš Stefanović, der aber – ganz Banker – gleich Zahlen präsentierte: So zählte das größte und bunteste Get-together des Landes in diesen 20 Jahren 20 verschiedene Mottos und insgesamt rund 50.000 Gäste. Die Schiffbauergasse ist der dritte Veranstaltungsort, bestens geeignet für so viele Gäste und im Mix aus Kultureinrichtungen und ihrer Lage am Tiefen See mit Blick auf den Park und das Schloss Babelsberg eine attraktive Visitenkarte der landschaftlichen Schönheit Potsdams. Zu den Gästen des Abends gehörten Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der lächelnd betonte, dass er in Brandenburg angekommen sei und sich hier sehr wohlfühle, weitere Vertreter aus Bundesministerien und von diplomatischen Vertretungen, Abgeordnete des Deutschen Bundestags und des Brandenburger Landtags, nahezu das gesamte Landeskabinett, Spitzen von Unternehmen, Landräte und Oberbürgermeister. „Wir feiern heute im 30. Jahr der friedlichen Revolution ein weiteres Jubiläum: 20 Jahre Sommerabend. Über all die Jahre ist die Hauptsache geblieben: Ein schönes Fest mit vielen Menschen, die bei guten Gesprächen zusammenkommen. Doch der Grundtenor dieser Gespräche ist heute ein ganz anderer als vor 20 Jahren. War früher manches sorgenvoll, steht Brandenburg heute ausgesprochen gut da, ist wirtschaftlich erfolgreich und ein wunderbares Land zum Leben! Dennoch bleiben natürlich viele Aufgaben, die wir in großem brandenburgischem Gemeinsinn lösen wollen“, so Ministerpräsident Woidke in seiner Begrüßungsrede."

„Smart Country“, Ehrenamt und „Brandenburger Köpfe“

„Der Brandenburger Sommerabend lebt vom ‚Get-together‘. Und zahlreiche Sponsoren, Aussteller und Partner helfen mit, dass es den Gästen an nichts fehlt. Dazu ein großes Dankeschön an unsere mehr als 100 Unterstützer. Genießen Sie den Abend, denn: Es kann so einfach sein – in Brandenburg zu leben, zu wohnen, zu arbeiten und zu lernen. Wir wollen Ihnen darauf (noch) mehr Lust machen“, weckte Staatssekretär Thomas Kralinski gleich zu Beginn Vorfreude.

Shakespeare auf der Sommerbühne des Hans Otto Theaters

Ein Schwerpunkt des vielfältigen Programms war die Präsentation des Netzwerks Co-Working- Spaces im ländlichen Raum. Mittlerweile gibt es unter dem Titel „Smart Country“ 50 solcher Angebote, die digitales Arbeiten im Grünen ermöglichen und zugleich Café, Dorftreffpunkt oder Herberge sind. Die Tourismus Marketing Brandenburg GmbH stellte ihre mit dem Deutschen Tourismuspreis ausgezeichneten digitalen Infostelen aus. Der Chef der Staatskanzlei, Martin Gorholt, empfing auf dem Theaterschiff alle seit Juli 2018 ausgezeichneten „Ehrenamtler des Monats“ sowie Akteure von Demografie-Projekten und Rückkehrinitiativen zum Gespräch.

Viel Zeit nahm sich Ministerpräsident Dietmar Woidke für ein Gespräch mit Ausbildern und Mitgliedern von Brandenburger Jugendfeuerwehren, darunter Mädchen und Jungen der Feuerwehr aus Falkensee, die an jedem Freitag das richtige Verhalten im Brand- und Katastrophenfall trainieren. Im Gespräch verwiesen erfahrene Feuerwehrleute auf die steigenden Einsatzzahlen und die Notwendigkeit, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der gut ausgebildete Nachwuchs im Land bleibt.

Unter den Gästen auch viele „Brandenburger Köpfe“, so der Maler Ronald Paris, Sängerin Chris Doerk, Mundharmonika- Star Michael Hirte, Soko-Kommissar und Buch-Autor Steffen Schroeder, Olympia- Kanu-Legende Jürgen Eschert und viele mehr.

Shakespeare und lebende Rosenbüsche

Durch den Abend führte rbb-Moderatorin Franziska Maushake, die auf der Hauptbühne unter anderem die Band „Duke Brass“ ankündigte und prominente Brandenburger, darunter Regisseur Andreas Dresen, interviewte.

Außerdem sorgten u. a. das ZEBRA Stelzentheater mit seinen wundersam-wunderbaren lebenden Rosenbüschen, die Saxophonistin Marion Andersons, die interaktive Performance-Truppe Funny Lady und die Combo hit mama sowie das Akrobatik-Duo Jim & John für gute Stimmung. Die gab es auch bei den temperamentvollen Szenen aus der Shakespeare- Parodie „The Queen‘s Men“ des Hans Otto Theaters, dessen Sommerbühne direkt am Ufer des Tiefen Sees liegt.

Unter den Gästen waren viele Künstler und Kulturschaffende, darunter die Initiatoren der Festspiele Mark Brandenburg, die in diesem Jahr erstmals innovative musikalische Projekte an märkischen Spielorten kreieren. Neben Initiator Dr. Cord Schwartau und Intendant Manuel Dengler nutzte erstmals Walter Schirnik die Gelegenheit, intensive Kontakte zu den Brandenburger Multiplikatoren herzustellen. Der Medienproduzent, der in den vergangenen drei Jahren für die Wiener Philharmoniker tätig war, ist neuer Präsident der Festspiele und 1. Vorsitzender des Festspiele Mark Brandenburg e. V.

„Maschine“: neuer Brandenburger Bierbotschafter

Im vergangenen Jahr kreiste zum ersten Mal der majestätische Rote Milan auf märkischen Bierflaschen. Mitglieder des Vereins der Klein- und Gasthausbrauereien und regionaler Infrastrukturen e. V. kreierten ein Rotbier namens „Roter Milan”. Der Erlös durch den Bierverkauf ging an den Landschaftspflegeverband Uckermark-Schorfheide, um Schutzmaßnahmen für die bedrohte Greifvogelart zu unterstützen. Zum Brandenburger Sommerabend wurden die ersten Flaschen des „Roten Milans“ Jahrgang 2019 probiert und für gut befunden. Zugleich war der Stand der Brandenburger Bierstraße gegenüber dem Museum FLUXUS+ Ort einer diplomatischen Zeremonie, denn im Beisein von Ministerpräsident Dietmar Woidke, Innenminister Karl-Heinz Schröter, Schirmherr des Projektes „Roter Milan“, und Thomas Braune, Leiter des Landesmarketing Brandenburg, wurde Dieter „Maschine“ Birr zum neuen Brandenburger Bierbotschafter ernannt. „Brandenburg bedeutet für mich Heimat. Ich verbinde Brandenburg mit Museen, Schlössern, Spargel, Gurken, Kiefernwäldern, sauberen Seen, offenen Menschen und Freunden. Nicht zu vergessen die erfrischenden Biere der Kleinund Gasthausbrauereien sowie die Gastlichkeit in den Häusern der Brandenburger Bierstraße“, so der Frontmann der 2016 aufgelösten deutschen Rockband Puhdys. Dieter Birr übernahm das Amt von Boxprofi Axel Schulz. Mitglieder des Vereins der Klein- und Gasthausbrauereien sorgten an ihrem Stand dafür, dass angesichts toskanischer Temperaturen keiner dursten musste.

Was Brandenburg is(s)t

Für das leibliche Wohl sorgte wie stets auf dem Sommerabend die von pro agro initiierte „Genussstraße“, die auf frisch zubereitete, hochwertige Brandenburger Produkte setzte, sowie die von Alexander Dieck und René Kaplick moderierte PORTA Kochbühne der Redo Unternehmensgruppe. René Kaplick, gelernter Koch und heutiger Chef der Gastro- Piraten, einer Unternehmensberatung für Gastronomie und Hotellerie, bat spontan Dietmar Woidke um ein Interview. Der Ministerpräsident betonte in diesem Gespräch seine Wertschätzung für die Gastgeber-Branche, die mit ihrer Vielfalt und Qualität ein Aushängeschild für das Land sei. Zugleich litten Hotellerie und Gastronomie unter einer wachsenden Flut bürokratischer Auflagen und dem Mangel an Fachkräften. Dietmar Woidke sicherte dem engagierten Unternehmensberater ein 4-Augen- Gespräch über die Situation der Gastgeber- Branche zu, „um zu erörtern, was das Land für seine Hotellerie und Gastronomie tun kann.“

Viele bekannte Vertreter der Gastgeber-Branche deckten an diesem Abend die Tische, so das Kongresshotel Potsdam, die Nachwuchsköche des Oberlin Bildungswerks, die Landhaus Brennerei im Schloss Neuhardenberg, der Spargel- und Erlebnishof Klaistow, die Eis-Guerilla aus Beeskow, Lindicke-Weine aus Werder, Schokolade von Felicitas, die mit Kühl-Akkus unter den Köstlichkeiten das Schmelzen wenigstens kurzzeitig aufhalten konnte.

Urlaubsvorfreuden

„Andere zahlen viel Geld, um so ein Wetter zu bekommen“, meinte Nils Busch- Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg e. V. Und so mancher der Gäste gönnte sich am letzten Schultag vor den Sommerferien einen Vorgeschmack auf kommende Urlaubsfreuden. „Wir machen eine Woche Urlaub auf dem Schiff“, verriet Ronny Pietzner, der sich auf die Zeit mit seiner Familie fernab vom Alltag freute. „Das Handy bleibt dann in dieser Woche aus, sonst funktioniert die Erholung nur halb“, so der Spitzenkoch, der am Stand der AOK Nordost Smoothies aus neun gesunden Zutaten – darunter Minze, Feldsalat, Gurke, Apfel, Ingwer – probierte. Grün auch das Mixen der Smoothies, denn der Mixbecher war an ein Fahrrad montiert und das kräftige Treten in die Pedale erzeugte die notwendige Energie und viel Aufmerksamkeit bei den Gästen am Stand. Frank Michalak, Vorstand der AOK Nordost, zieht es in diesen Sommerferien mit seiner Familie auf eine kroatische Insel in der Adria. „Ich freue mich darauf, Zeit für Bewegung zu haben und viel zu laufen.“ CDU-Spitzenkandidat Ingo Senftleben startet nach einem „kurzen Verschnaufen mit den Kindern am Wasser“ in den Wahlkampf, den er vor allem zu Fuß bewältigen will. Vom 30. Juni bis zum 10. August wandert er durch Brandenburg, um „Menschen am Gartenzaun zu treffen und zu erfahren, was sie bewegt.“

Urlaubsfeeling herrschte an diesem Abend besonders am Ufer des Tiefen Sees, an dem es mit zunehmender Veranstaltungszeit immer schwerer wurde, einen der Liegestühle zu ergattern. Dann also einfach auf den Boden setzen oder stehend das großartige Feuerwerk über dem Tiefen See genießen.

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