Wandelbar, jung und schillernd: das Saxophon

Fotos: Meier‘s Clan

Als „ein Instrument, das im Charakter seiner Stimme den Streichinstrumenten nahekommt, aber mehr Kraft und Intensität besitzt als diese“, begründete Adolphe Sax den Patentantrag für seine Erfindung im Jahr 1846. Das neue Musikinstrument eroberte rasch die großen Bühnen und die kleinen Nischen. 2019 kürten die Landesmusikräte Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Thüringen, Rheinland- Pfalz, Saar, Sachsen und Schleswig-Holstein das Saxophon zum „Instrument des Jahres“ 2019.

Seit 2008 findet alljährlich die Wahl zum „Instrument des Jahres“ statt, um Neugier zu wecken, Aufmerksamkeit zu erhöhen und den Nachwuchs zu begeistern. In Konzerten, bei Workshops und Veranstaltungen erleben Besucher und Publikum die spezifischen Klangfarben, Spieltechniken und Feinheiten des Instruments. Erst 2017 entschloss sich der Landesmusikrat Brandenburg, an diesem klingenden Jahres-Projekt teilzunehmen. Da war die Oboe „Instrument des Jahres“, der das Cello 2018 folgte. Unter all den bisher ausgewählten Instrumenten ist das Saxophon das jüngste und das schillerndste, dessen Karriere Komponisten wie Hector Berlioz, Giacomo Meyerbeer und Jules Massenet früh förderten. Der belgische Tüftler und Erfinder Adolphe Sax lancierte es geschickt beim Musiktheater und beim nicht minder hoch geachteten Militär. Ab 1900 verbreitete sich das Saxophon über ganz Europa und bis in die USA. Beim Jazz wuchs es in bis dahin ungekannte Dimensionen, erspielte sich neuartige Sounds und Ausdrucksformen. Die Saxophon-Familie ist groß, sie zählt acht Stimmlagen, wovon Sopran, Alt, Tenor und Bariton die gebräuchlichsten sind. „Das Instrument hat eine unvergleichliche Wandelbarkeit im Klang. Es ist in der Klassik genauso zu Hause wie in der Pop- und Rockmusik, im Schlager und natürlich im Jazz“, schwärmt der deutschlandweit bekannte Potsdamer Saxophonist Ralf Benschu. Die Lust, mit dem Saxophon immer neue Möglichkeiten und Klangfarben zu erobern, gehört für ihn zum Musikerleben wie Noten, Auftritte und Disziplin."

Dabei kam der Potsdamer Musiker eher zufällig zu diesem Instrument. Die Eltern suchten nach einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung für den Sohn und meldeten ihn in der Musikschule an. Da dem damals Zehnjährigen der Name Klarinette am besten gefiel, entschied er sich kurzerhand für dieses Instrument, das er heute als „gute Schule“ für das Saxophon wertet, das erst später zu seinem Lieblingsinstrument wurde. Die ersten Jahre ging er ohne die ganz große Begeisterung einmal wöchentlich zur Musikschule. „Erst mit 16 kippte das um, und ich übte neben der Lehre auf dem Bau täglich zwei Stunden. Ganz freiwillig.“ Die ersten Bands folgten, die Auftritte wurden zahlreicher und schnell wurde die Musik zum wichtigen Lebensinhalt. 1986 erwarb Ralf Benschu seinen Berufsausweis als Musiker, ein Jahr später begann er ein Fernstudium an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin in den Fächern Saxophon und Klarinette. 1989 kam er zu „Keimzeit“ und arbeitete 18 Jahre mit der Rockgruppe zusammen. Saxophon-Soli und ausgefeilte Bläsersätze in Songs dieser Jahre stammen von Ralf Benschu, der noch sechsmal im Dezember 2018 mit „Keimzeit“ auf der Bühne stand.

Ihr gemeinsamer Musiklehrer Werner Meier wurde Namensgeber des Saxophon-Quartetts. Meier‘s Clan: Ralf Benschu (l.) und Mark Wallbrecht (vorn), Matthias Wacker (l.) und Sebastian Hillmann

Quer durch die Musikgeschichte ist Ralf Benschu mit Meier’s Clan unterwegs. Die vier Potsdamer Saxophonisten benannten sich nach ihrem gemeinsamen Musiklehrer Werner Meier, der 35 Jahre lang Klarinettist am Hans Otto Theater war. Gemeinsam mit Sebastian Hillmann, Matthias Wacker und Mark Wallbrecht – der auch die meisten Arrangements des Quartetts verfasst – spielen sie Liebeserklärungen an dieses vielseitige Instrument: die barocken Sinfonien von Friedrich dem Großen, Bach, Vivaldi, Weill, Filmmusik zwischen Ufa und Hollywood, Weihnachtslieder. Die üben sie (ja, auch Profis müssen üben!) gerade intensiv, denn pünktlich im Advent soll die neue CD mit Weihnachtsliedern erscheinen.

Ralf Benschu ist seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Solo-Projekten unterwegs. Dazu gehört die Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Karsten Intrau. Seit einigen Jahren spielen die beiden auch im Trio mit der Potsdamer Akkordeonspielerin Melanie Barth. Das musikalische Projekt mit dem Potsdamer Komponisten, Produzenten und Keyboarder Andreas Schulte führt zu sehr modernen Klängen. Schulte & Benschu, Piano & Saxophon, spazieren in ihren Auftritten leichtfüßig vom Jazz über Elton John bis zum Pop. 1997 wurde der Saxophonist eingeladen, die Einweihung der neuen Orgel der Trinitatiskirche in Sondershausen musikalisch mitzugestalten. Dabei traf er erstmals auf den Organisten Jens Goldhardt. „Wir waren selbst überrascht, wie gut die Orgel und das Saxophon zusammenpassen“, erinnert sich der Musiker. Es war der Beginn einer intensiven Zusammenarbeit, aus der inzwischen deutschlandweite Konzerte in Kirchen und acht Alben erwuchsen. Und der Beginn einer Freundschaft zwischen den beiden Musikern. Den poetischen Titel „Ich öffne die Tür weit am Abend“ trug das erste Programm von Liedermacher Gerhard Schöne, in dem Jens Goldhardt und Ralf Benschu dabei waren. Auch mit diesem Meister der leisen Töne, der als einer der ganz wenigen aus der Gilde ostdeutscher Liedermacher die Wirren der Wende ungebrochen überstand, verbindet ihn eine jahrelange Zusammenarbeit. Auch beim neuen Schöne-Album „Summen, singen, schreien“ öffnen Orgel- und Saxophontöne Ohren und Herz. Dass Harfe und Saxophon eine glückliche Beziehung eingehen können, beweist der Musiker gerade mit der Harfenistin Jessyca Flemming. Ralf Benschu komponiert und spielt in verschiedenen Orchestern, so im Orchester des Friedrichstadtpalastes. Hinzu kommen Auftritte als Solist mit dem Sinfonieorchester Collegium musicum Potsdam und der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach. Wie er das alles schafft? „Mit einem guten Terminkalender“, antwortet der 57-Jährige und verweist darauf, dass die Aufzählung unvollkommen ist, denn die Arbeit als Musikpädagoge an der Städtischen Musikschule Potsdam „Johann Sebastian Bach“ liegt ihm besonders am Herzen, schließlich vermittelt er nicht nur das 1 x 1 des Saxophonspielens, sondern auch die Liebe zu diesem Instrument, das deutschlandweit 27.000 Musikschüler begeistert. Vielleicht werden es 2020 noch mehr sein.

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