Die Brandenburger Villa Massimo – Stiftungen im Porträt

Die Orangerie von Schloss Wiepersdorf. Hier soll ab 2020 an den Wochenenden ein Café öffnen - Fotos: Brigitte Menge

Schloss Wiepersdorf südöstlich von Jüterbog hat als ehemaliger Wohnsitz von Bettina und Achim von Arnim eine lange Tradition als Ort des geistigen Austausches. Nachdem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit zeitweiser Unterstützung des Landes Brandenburg und des Bundes Schloss Wiepersdorf als Künstlerhaus zwölf Jahre lang betrieb, übernahm nun die am 1. Juli gegründete Kulturstiftung das Schloss. "

Nach 1946 und in der DDR wurde Schloss Wiepersdorf als Arbeits- und Erholungsstätte für Schriftsteller und Künstler genutzt und ist damit das älteste von insgesamt 13 Künstlerhäusern in Deutschland. Namhafte Schriftstellerinnen und Schriftsteller waren hier zu Gast, unter ihnen Anna Seghers, Christa Wolf und Arnold Zweig. Im Jahr 1992 erfolgte die Wiedereröffnung als Künstlerhaus Wiepersdorf der Stiftung Kulturfonds. Von 2006 bis 2018 betrieb die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) das Schloss als Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Doch im Laufe der Jahre zeigte sich zunehmend, dass die Führung des Künstlerhauses die DSD finanziell und kräftemäßig überforderte, schließlich gehört die Betreuung von Künstlern nicht zu den eigentlichen Aufgaben der Denkmalschützer. Die Lösung brachte die vom Land Brandenburg gegründete Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf, die am 1. Juli ihre Arbeit aufnahm. Ab 2020 stellt das Land jährlich rund 720.000 Euro für das Haus bereit. Kulturministerin Martina Münch ist Vorsitzende des Stiftungsrates. In die neue Landesstiftung brachte die Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) den Immobilienbesitz von Schloss Wiepersdorf, das gesamte Inventar und den ihr bei der Übernahme der Trägerschaft anvertrauten Land- Brandenburg-Fonds in Höhe von über sieben Millionen Euro ein.

Die Vorsitzende des Stiftungsrates, Kulturministerin Martina Münch (l.), und die Gründungsbeauftragte Annette Rupp

Zur symbolischen Schlüsselübergabe am 1. August waren Kulturministerin Martina Münch, DSD-Vorstand Steffen Skudelny und die Gründungsbeauftragte der Kulturstiftung, Annette Rupp, nach Wiepersdorf gekommen. „Die Kulturstiftung ist ein Bekenntnis des Landes zum Bestand und zur Weiterentwicklung des Künstlerhauses und zur Förderung von Künstlerinnen und Künstlern. Die offene, freie und kreative Atmosphäre von Wiepersdorf wird von Kunstschaffenden seit Jahrzehnten sehr geschätzt“, so die Kulturministerin. „Diese große Tradition wird von der Landesstiftung fortgeführt und zugleich durch neue Potenziale und Perspektiven erweitert. Wiepersdorf wird noch mehr ein Ort des künstlerischen Austausches, des gesellschaftlichen Diskurses und ein Impulsgeber für das kulturelle Leben werden.“ Erstmals soll ab Sommer 2020 das Künstlerhaus auf der Grundlage eines neu entwickelten Konzeptes wieder als Residenz für mehrmonatige Arbeitsaufenthalte von Künstlerinnen und Künstlern der Sparten Literatur, Komposition und Bildende Kunst aus dem In- und Ausland geöffnet werden. Schwerpunkte der künftigen Arbeit sind eine weitere internationale Profilierung, die Öffnung auch für Gruppenstipendien und so genannte Kooperationsstipendien sowie erstmals die Aufenthaltsmöglichkeit für Forscherinnen und Forscher aus den Geistes- und Sozialwissenschaften mit den Schwerpunkten Romantik und deutschdeutsche Fragen. Die Finanzierung der Stipendien erfolgt durch das Land Brandenburg und Partnerinstitutionen.

Das Haus ist bei Annette Rupp in sehr erfahrenen Händen, denn die Kulturmanagerin führte die ehemalige Residenz von Martha und Lion Feuchtwanger sowie das Thomas-Mann-Haus in Kalifornien. Sie hat eine Menge Pläne, um die kreative Arbeit der Künstler vor Ort zu inspirieren und zu fördern. „Ich freue mich darauf, für die Wiedereröffnung im Sommer 2020 ein internationales und interdisziplinäres Stipendienprogramm etablieren zu können mit dem Ziel, Schloss Wiepersdorf wieder zu einem lebendigen Ort mit überregionaler Ausstrahlung zu gestalten“, so Annette Rupp, die das Haus auch stärker als bisher in der kulturellen Landschaft der Region sichtbar machen möchte. Ein Anliegen, das beim Bürgermeister der Gemeinde Niederer Fläming, Matthias Wäsche, auf offene Ohren trifft. „Die unsichtbare Mauer zwischen Dorf und Schloss soll verschwinden“, wünscht sich der Bürgermeister.

In diesem Sommer leben und arbeiten noch keine Künstler in Wiepersdorf. Aber es fanden bereits erste Veranstaltungen der Kulturstiftung in Wiepersdorf und in Potsdam statt. An zwei Tagen in September sowie am 30. Oktober erörtern die ehemaligen Wiepersdorf-Stipendiatinnen und -Stipendiaten Thomas Hettche, Martin Mosebach und Antje Rávik Strubel im Rahmen des Begleitprogramms zur ‘fontane.200‘-Ausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam den Einfluss Fontanes auf ihr Werk. Am 17. November spricht Marcel Lepper, Leiter des Literaturarchivs der Akademie der Künste Berlin, in der Villa Quandt in Potsdam über romantische Denk- und Schreibweisen mit den Autoren Gianna Molinari und Georg Klein. Auch im kommenden Jahr wird es Programmangebote mit anwesenden und ehemaligen Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Partnerinstitutionen geben. Ab Sommer 2020 werden dann das Café in der Orangerie und das Museum an den Wochenenden mit einem überarbeiteten und erweiterten Konzept wiedereröffnet – gute Voraussetzungen, damit mehr Touristen die kulturelle und landschaftliche Schönheit der Gegend entdecken. Bei allen Plänen kann Annette Rupp auch weiterhin auf die Expertise der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bauen. „Als private Denkmalpflege- Stiftung werden wir gerne mit dafür Sorge tragen, dass auch das bauliche Fundament immer in Ordnung bleibt“, versicherte DSD-Vorstand Steffen Skudelny, ein exzellenter Kenner des Schlosses samt seiner Nebengebäude. Bis zum Frühjahr 2020 sollen die Renovierungsarbeiten abgeschlossen sein. Und dann kommen schon bald die ersten Stipendiaten.

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