Wenn die Knochen bröckeln

Dr. med. Katharina Neß, Oberärztin im Wirbelsäulenzentrum der Oberlinklinik Potsdam - Foto: Dominique Prokopy

Wie ein blinder Passagier bleibt sie oftmals lange unbemerkt: die Osteoporose. Jedes Jahr kommt es in den sechs EU-Ländern Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden und dem Vereinigten Königreich zu insgesamt rund 2,7 Millionen durch Osteoporose bedingten Knochenbrüchen. Das geht aus einem Bericht hervor, den die International Osteoporosis Foundation (IOF) im Herbst 2018 veröffentlichte.

In Deutschland leidet geschätzt jeder Vierte über 50-Jährige an der Krankheit, die die Knochen porös macht. Über Alarmsignale und die Möglichkeiten der Vorbeugung sprachen wir mit Dr. med. Katharina Neß, Oberärztin im Wirbelsäulenzentrum der Oberlinklinik Potsdam. "

Wie viele Patienten mit diesem Krankheitsbild behandeln Sie jährlich?

Ich kann nur für unser Wirbelsäulenzentrum in der Oberlinklinik sprechen. Wir behandeln jährlich rund 850 Patienten stationär und realisieren 600 Operationen. Rund zwei Drittel der Patienten leiden unter Osteoporose oder ihrer Vorstufe, der Osteopenie. In der Regel ist die Osteoporose eine Erkrankung des älteren Menschen, bei jungen Frauen und Männern ist sie eine seltene Ausnahme. Es gibt beim Lebensalter zu Beginn der Erkrankung, bei der Ausprägung und der Häufigkeit gravierende Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen nach der Menopause sind weitaus häufiger betroffen als Männer, bei denen die Zahl der Erkrankungen erst ab etwa dem 70. Lebensjahr steigt.

Welche Ursachen sind verantwortlich für eine Osteoporose?

Es gibt eine primäre und einer sekundäre Osteoporose. Die häufigere Form ist die primäre Osteoporose mit 95 %. Darunter fällt die postmenopausale Osteoporose (Frauen) und die senile Osteoporose (Frauen und Männer). Postmenopausal kommt es bei uns Frauen zu einer Änderung im Hormonhaushalt und dadurch kann es zu einem gesteigerten Umbau im Knochen und damit zu einem massiven Knochenmasseverlust kommen. Die sekundäre Osteoporose kann ihre Ursachen in einem gestörten Hormonhaushalt haben oder aber in bestimmten Medikamenten.

Welche Symptome dieses Krankheitsbildes sollten als Alarmsignal gedeutet werden, um zum Facharzt zu gehen?

Wenn es in der Familie, insbesondere bei der Mutter oder Geschwistern, eine Osteoporose gibt, sollte das Anlass sein, früher – also ggf. vor der Menopause – in die Diagnostik zu gehen. Ansonsten ist diese Krankheit leider nahezu symptomlos und wird bedauerlicherweise Weise oftmals erst bemerkt, wenn der erste Bruch vorliegt. Wenn ältere Menschen sich ohne ein adäquates Trauma – sozusagen nur durch einen Bagatellunfall – einen Knochen brechen, ist das ein großes Warnsignal, dass Osteoporose vorliegen könnte. Dann sollte unverzüglich ein Spezialist konsultiert werden.

Gibt es Erkenntnisse, ob und wie man bei dieser Erkrankung vorbeugen oder zumindest den Ausbruch verzögern kann?

Die schlechte Nachricht: Komplett verhindern kann man die Erkrankung nicht. Die gute Nachricht: Man kann vorbeugen. Auch wenn es banal klingen mag, eine gesunde, ausgewogene kalzium- und vitaminreiche Ernährung und viel Bewegung, die den Knochenstoffwechsel positiv beeinflusst, sind die besten Präventionswege. Spätestens nach der Menopause sollten Frauen darüber nachdenken, im Winter Vitamin D zu substituieren. Wer unsicher ist, kann sich beim Hausarzt den Vitamin D-Spiegel bestimmen lassen.

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